Spendenaufruf zum Erwerb der Schachblumenwiese

Schachblume



Die Schachblume in Gefahr – einmalige Chance für ihre

Rettung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

nur wenige wissen wohl, dass Bayreuth eine besondere botanische Kostbarkeit besitzt, die Schachblume. Dieses überaus attraktive Liliengewächs trägt eine glockenförmige, purpurfarbene Blüte mit auffälligem Schachbrettmuster auf seinen Kronblättern. Die Schachblume wird 15 bis 35 cm hoch und blüht von April bis Mai. In der Roten Liste wird sie als „stark gefährdet“ eingestuft. Sie ist besonders geschützt. Wild wachsend kommt sie in Bayern in größeren Mengen außer in Bayreuth nur noch im Spessart vor.

BN-Kreisgruppe Bayreuth konnte besten Wuchsort kaufen

Im Stadtgebiet von Bayreuth gibt es noch drei Wuchsorte dieser Blume. Unsere Kreisgruppe hatte die einmalige Gelegenheit, den besten davon zu kaufen und so sicherzustellen, dass diese einzigartige Pflanze nicht ausstirbt.

Im Jahr 2009 bearbeitete unser Geschäftsführer Diplom-Geograph Peter Ille im Rahmen eines GlücksSpirale-Projekts die Wuchsorte im Raum Bayreuth mit dem Ziel, die Lebensbedingungen dieser wunderschönen und zugleich seltenen Pflanze zu verbessern.

DAS GLÜCKSSPIRALE-PROJEKT ZUR SCHACHBLUME

Im Jahre 2009 konnte von mir ein so genanntes GlücksSpirale-Projekt zur Schachblume im Bayreuther Raum durchgeführt werden. Die GlücksSpirale ist eine Lotterie, von deren Gewinn ein Viertel für Naturschutz-Projekte verwendet wird. Diese Mittel vergibt der Bayerische Naturschutzfond, dem hierfür unser Dank gilt.

Ziel des Projekts war es, die Lebensbedingungen der Schachblume im Raum Bayreuth zu verbessern sowie ihre letzten Vorkommen hier zu erhalten. Dabei hatte ich im Jahre 2009 großes Glück, denn so reichhaltig hatte die Schachblume schon seit Jahrzehnten bei uns nicht mehr geblüht.

Die Stadt Bayreuth sowie die Gemeinden Heinersreuth und Gesees haben eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser wunderschönen Pflanze, da sie es in größeren Beständen in Bayern nur noch im Sinn-Tal im Spessart und eben um Bayreuth herum gibt. In Deutschland sind sonst nur noch an der Elbe größere Vorkommen bekannt, wobei überhaupt in Mitteleuropa die Bestände in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts um 97 % zurückgegangen sind.

In erster Linie hat eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung mit immer früheren Mähzeitpunkten zum Verschwinden der Schachblume beigetragen, aber auch die Überbauung von Wuchsorten wie der Fußballplatz des 1. FCN oder die Erweiterung des Hamburger Hafens müssen erwähnt werden. So sind in den letzten Jahrzehnten auch bei uns Vorkommen bei der Saas oder bei Döhlau verschwunden. Größere Vorkommen gibt es im Stadtgebiet von Bayreuth noch bei Aichig mit 400 blühenden Exemplaren und im Unteren Rotmaintal, wo ich dieses Jahr 2000 Blumen zählen konnte. Auch bei Heinersreuth gibt es noch einige hundert Exemplare und bei Gesess konnte ich 580 Stück zählen.

Ist die Schachblume heimisch?
Das Areal der Schachblume, wo sie heute vorkommt, wird in ein südöstliches und ein nordwestliches Teilareal unterteilt. Auf dem Balkan und in Südosteuropa kommt sie in lichten Auwäldern oberhalb der Grundwasserlinie vor. Dort ist sie ursprünglich zuhause. Im nordwestlichen Teilareal, das neben Deutschland und Österreich auch Südengland und Teile Skandinaviens oder Polens umfasst, konnte sie erst heimisch werden, als der Wald aufgelichtet wurde, denn dort ist sie in feuchten Wiesen daheim.

Besieht man sich die botanischen Werke des 16. Jahrhunderts sowie die Garten-Literatur aus dieser Zeit, so sucht man darin die Schachblume vergebens. Erst ein Jahrhundert später tritt sie als beliebte Gartenpflanze in Erscheinung. In der Landschaftsverschönerungszeit von 1750 bis 1870 ist sie dann sehr beliebt. Dies legt nahe, dass die Schachblume in der freien Natur ein Neubürger ist und dass der Mensch bei ihrer Ansiedlung nachgeholfen hat. Dennoch ist sie in der Gegend von Bayreuth seit vielen Jahren ein beliebtes Element unserer Kulturlandschaft.

Nun war es uns gelungen, mit der Hilfe von Spendern und Gönnern in den Jahren 2005 und 2006 vier Schachblumen-Wiesen im Unteren Rotmaintal anzukaufen. Bewirtschaftet werden sie nach unseren Vorstellungen von einem Landwirt aus Cottenbach, der das Mähgut für seine Pferde verwendet – ein Glücksfall. Meine Beobachtungen haben weiterhin gezeigt, dass viele der Vorkommen in und um Bayreuth in gutem Zustand sind. Dies ist den Landwirten zu verdanken, die in früheren Jahrzehnten auf eine Intensivierung der Landwirtschaft verzichtet haben und denen, die heute die Flächen mit Bedacht bewirtschaften. Allerdings fehlt im Stadtgebiet ein staatlicher Schutz für die vorhandenen Massenvorkommen. Auch ist es fast ein Wunder, dass es noch Schachblumen bei der Neuen Heimat gibt, nachdem diese Wiese über Jahre sehr intensiv bewirtschaftet wurde. Die erste Mahd erfolgte manchmal noch während des Blühens der Blumen Mitte Mai; keine Chance also für die Pflanzen, genügend Nährstoffe für das nächste Jahr zu bilden oder gar aussamen zu können.

Die optimale Bewirtschaftung
Wie aber könnte eine solche optimale Bewirtschaftung aussehen? Unter Beibehaltung der Wasserverhältnisse im Boden sollte eine zweischürige Mahd durchgeführt werden, wobei der erste Schnittzeitpunkt wegen der Samenreife recht spät Ende Juni/Anfang Juli liegen sollte. Der zweite Schnitt sollte nicht unterbleiben, um der Schachblume im darauf folgenden Frühjahr kurzrasige Bedingungen zu bieten. Auch ist Heu machen der Silage deutlich vorzuziehen, da so die Schachblumen die Chance haben, sich auf der gemähten Fläche auszusamen. Eine Düngung sollte unterbleiben, da durch die Luftverschmutzung der Regen eh schon genügend pflanzenverfügbaren Stickstoff bringt. Weitere Nährstoffe kommen bei gewässernahen Flächen durch Überflutungen hinzu. Deshalb sollten die bei den Landwirten so unbeliebten Sommerhochwässer weiterhin eintreten können, um eine gewisse Menge Dünger zu bringen und gleichzeitig die Samen verbreiten zu helfen.

Gegen eine Triebweide im Winter ist nichts einzuwenden, da hierdurch zusätzlich kurzrasige Verhältnisse geschaffen werden. Eine herbstliche extensive Beweidung insbesondere mit nicht zu schweren Weidetieren sollte diskutiert werden, da sie neben kurzrasigen Bedingungen auch offene Stellen schafft, die der Neuansiedlung einzelner Individuen dienen. Eine gewisse Menge an Stickstoff benötigen die Pflanzen ebenfalls, um optimal gedeihen zu können. Diese könnte auch zum Teil vom Dung der Tiere kommen.

Viele Menschen möchten die Schachblume blühen sehen. Zu recht, denn nur was man kennt, will man auch schützen. Da aber im Gegensatz zum Sinntal unsere Bayreuther Vorkommen viel kleiner sind und sich mitten in Mähwiesen befinden, ist dies schwierig. Ich empfehle deshalb jedem Interessenten, in den Bayreuther Festspielpark zu gehen. Dort sind an mehreren Stellen von Wegen aus Ende April viele wunderschöne Schachblumen gut zu sehen.

Der Bund Naturschutz wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass uns und unseren Nachkommen dieses schöne Mitgeschöpf erhalten bleibt.

Peter Ille, 2009